Verhalten als Ausdruck innerer Belastung

8. Juni 2024

Fachlich überarbeitet und aktualisiert am 27.12.2025

Wenn Verhalten medizinische Ursachen hat - verhaltensmedizinische Therapie beim Hund


Warum auffälliges Verhalten selten ein Erziehungsproblem ist


Wenn von „Verhalten therapeutisch begleiten“ die Rede ist, denken viele zunächst an Psychopharmaka, Beruhigungsmittel oder reine Symptombehandlung.
Doch genau das greift zu kurz.

Auffälliges, belastendes oder sogar selbst schädigendes Verhalten bei Hunden ist in vielen Fällen kein Erziehungsfehler, sondern Ausdruck eines körperlichen, emotionalen oder psychosomatischen Ungleichgewichts. Eine nachhaltige Veränderung ist nur möglich, wenn die Ursache erkannt und behandelt wird. therapieren? Viele denken da gleich an Psychopharmaka oder Beruhigungsmittel. Doch das ist nur Symptom-Bekämpfung.

Verhalten entsteht nicht im luftleeren Raum



Die Frage, ob Tiere über eine eigene Psyche verfügen oder lediglich instinktgeleitet reagieren, war lange Zeit Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Heute gilt als gesichert: Hunde besitzen ein komplexes emotionales Erleben, ein leistungsfähiges Nervensystem und eine ausgeprägte Stressverarbeitung.

Hunde reagieren nicht nur auf äußere Reize, sondern auch auf innere Zustände.

Überforderung, Reizüberflutung, chronischer Stress, mangelnde Erholung oder fehlende Bedürfnisbefriedigung führen zu messbaren körperlichen Reaktionen – etwa über das hormonelle Stresssystem und das vegetative Nervensystem. Stress ist damit kein rein psychisches Phänomen, sondern ein körperlicher Zustand.

Wenn Stress krank macht – und Krankheit Verhalten verändert

Ein dauerhaft überlasteter Organismus sucht nach Ausgleich. Nicht selten richtet sich dieser gegen den eigenen Körper. Beispiele aus der Praxis:

  • selbstverletzendes Lecken oder Kratzen
  • stereotype Verhaltensweisen
  • übermäßige Unruhe oder Rückzug
  • Aggression oder Angstreaktionen ohne erkennbaren Auslöser

Solche Verhaltensweisen sind häufig Kompensationsversuche, um innere Spannungen zu regulieren.

Gleichzeitig gilt auch der umgekehrte Zusammenhang:
Körperliche Erkrankungen können Verhalten massiv beeinflussen. Schmerzen, hormonelle Dysbalancen, Entzündungen, Stoffwechselstörungen oder eine gestörte Darmflora wirken direkt auf Nervensystem, Stressverarbeitung und emotionale Stabilität. Verhalten ist damit immer auch ein körperliches Signal.

Warum reines Training oft nicht ausreicht

Wird auffälliges Verhalten ausschließlich über Training oder Verhaltensanpassung angegangen, ohne den körperlichen Zustand des Hundes zu berücksichtigen, bleibt der Erfolg häufig begrenzt oder kurzfristig.

Ein Hund, dessen Nervensystem dauerhaft im Alarmzustand ist, kann:

  • sich nicht ausreichend entspannen
  • neue Lerninhalte nur eingeschränkt verarbeiten
  • Verhaltensänderungen nicht stabil integrieren


Lernfähigkeit setzt Regulationsfähigkeit voraus.

Verhaltensmedizinischer Ansatz: Therapie vor Veränderung

In meiner Arbeit steht daher nicht die schnelle Verhaltenskorrektur im Vordergrund, sondern eine verhaltensmedizinische Ursachenklärung.

Dazu gehören unter anderem:

  • die Bewertung möglicher körperlicher Einflussfaktoren
  • die Einordnung psychosomatischer Zusammenhänge
  • die Betrachtung von Stressbelastung, Erholung und Umweltfaktoren
  • die Analyse der Mensch-Hund-Interaktion

Ziel ist es, den Organismus so zu stabilisieren, dass der Hund überhaupt wieder in der Lage ist, neue Verhaltensmuster zu entwickeln.


Ganzheitliche Therapie als Grundlage für Veränderung

Je nach individueller Situation können begleitend eingesetzt werden:

  • naturheilkundliche Arzneien zur Stress- und Angstregulation
  • Unterstützung des Nervensystems
  • gezielte Nährstoffanpassungen
  • Maßnahmen zur Verbesserung von Schlaf, Erholung und Belastbarkeit


Diese therapeutischen Schritte ersetzen kein Lernen –  sie ermöglichen es.

Verhalten verstehen heißt Ursachen erkennen

Verhaltensauffälligkeiten stellen für viele Hundehalter eine enorme Belastung dar. Nicht selten geraten Mensch und Tier in eine Spirale aus Frustration, Hilflosigkeit und gegenseitigem Stress.

Ein nachhaltiger Weg beginnt dort, wo Verhalten nicht bewertet, sondern verstanden wird.

Denn erst wenn die Ursachen für den inneren Druck erkannt und behandelt werden, kann sich Verhalten dauerhaft verändern.



Mein Ansatz

Ich begleite Hunde mit auffälligem oder belastendem Verhalten im Rahmen einer ganzheitlichen, verhaltensmedizinischen Tierheilpraxis. Im Mittelpunkt stehen dabei die Zusammenhänge zwischen Körper, Psyche und deren gegenseitiger Einfluss auf das Verhalten.

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie ich arbeite und welche Schwerpunkte meine Praxis setzt, findest du hier weitere Informationen.

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